Du bist fast am Ziel deiner pädiatrischen Facharztausbildung und überlegst, wie du dich weiter spezialisieren kannst? Die Neuropädiatrie eröffnet dir ein faszinierendes Feld zwischen Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie und Psychiatrie. Hier behandelst du Kinder und Jugendliche mit Erkrankungen des Nervensystems, Entwicklungsstörungen und komplexen neurologischen Krankheitsbildern – und begleitest sie oft über viele Jahre.
Die Schwerpunktweiterbildung Neuropädiatrie setzt auf die abgeschlossene Facharztausbildung in Kinder- und Jugendmedizin auf. Danach absolvierst du 24 Monate Weiterbildung an befugten Weiterbildungsstätten. Bis zu 6 Monate kannst du dir dabei in Neurologie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie anrechnen lassen, um ein möglichst breites neuro-medizinisches Verständnis zu entwickeln.
In dieser Zeit vertiefst du dein Wissen in allen Bereichen der Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation neurologischer Erkrankungen – sowohl des zentralen als auch des peripheren und vegetativen Nervensystems. Auch Erkrankungen der Muskulatur und komplexe Entwicklungsstörungen gehören dazu.
Deine Weiterbildung deckt ein breites Spektrum ab. Du wirst lernen:
Angeborene neurologische Erkrankungen und Fehlbildungen des zentralen und peripheren Nervensystems zu erkennen und zu behandeln.
Infektiöse und autoimmunologische Erkrankungen des Nervensystems zu diagnostizieren und zu therapieren.
Neurometabolische, degenerative und vaskuläre Erkrankungen sowie Tumoren des Nervensystems interdisziplinär zu versorgen und in die Nachsorge einzubinden.
Epilepsien und zerebrale Krampfanfälle sowie neuromuskuläre Erkrankungen umfassend zu behandeln.
Traumatische und toxische Verletzungen des Gehirns und Rückenmarks, inklusive hypoxisch bedingter Schäden und non-akzidenteller Verletzungsmuster wie beim Schütteltrauma, einzuordnen und adäquat zu versorgen.
Darüber hinaus beschäftigst du dich intensiv mit Schmerzerkrankungen, palliativmedizinischer Versorgung, neuropädiatrischer Intensivmedizin sowie der Neurorehabilitation. Du wirst auch die psychosozialen Folgen von Behinderungen einschätzen und Rehabilitationsziele sowie Fördermaßnahmen gemeinsam mit Familien und Teams entwickeln.
Neben kognitiven und methodischen Kompetenzen musst du handfeste praktische Fertigkeiten nachweisen. Die MWBO gibt hier klare Richtzahlen vor:
Du führst mindestens 200 Elektroenzephalogramme (EEG) durch, einschließlich spezieller Verfahren wie dem amplitudenintegrierten EEG.
Du beteiligst dich aktiv an Polygraphien und neurophysiologischen Untersuchungen: Elektromyographie, Elektroneurographie sowie visuell, somatosensibel, motorisch und akustisch evozierte Potenziale gehören zu deinem Alltag.
Du führst mindestens 200 Sonographien des zentralen und peripheren Nervensystems und der Muskulatur durch – eine Schlüsselkompetenz der modernen Neuropädiatrie.
Du lernst, die Indikation und Befundinterpretation radiologischer Verfahren wie CT und MRT eigenständig zu stellen und zu beurteilen.
Darüber hinaus wirst du an hochspezialisierten Verfahren mitwirken, zum Beispiel bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls gemeinsam mit qualifizierten Fachärzten.
Dieses Teilgebiet ist anspruchsvoll und extrem vielseitig. Du bist nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich gefordert: Entwicklungsverzögerungen, Epilepsien, komplexe Syndrome – all das betrifft die Kinder und ihre Familien oft lebenslang. Deine Aufgabe ist es, medizinisches Wissen mit Empathie und interdisziplinärer Zusammenarbeit zu verbinden.
Du arbeitest mit Neurologen, Neurochirurgen, Psychiatern, Physiotherapeuten, Logopäden und vielen weiteren Fachgruppen eng zusammen. So gestaltest du langfristige Behandlungswege und gibst betroffenen Familien eine Perspektive.
Wenn du dich für die Neuropädiatrie interessierst, plane frühzeitig:
Suche dir Weiterbildungsstätten, die dir den Zugang zu allen relevanten Untersuchungen und die Möglichkeit zur Dokumentation deiner Richtzahlen bieten. Nutze die Option, auch in der Neurologie oder Kinderpsychiatrie mitzuarbeiten, um dein Spektrum zu erweitern. Und dokumentiere konsequent – gerade EEGs und Sonographien sind hier entscheidend.
Fazit:
Die Neuropädiatrie ist nichts für Minimalisten – sie erfordert Engagement, Geduld und Leidenschaft für Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Wenn du bereit bist, über den Tellerrand hinauszuschauen und dich einem hochspezialisierten, sinnstiftenden Bereich zu widmen, wartet hier ein spannender und zukunftssicherer Karriereweg auf dich.