Wenn du bald dein Studium abschließt und überlegst, dich in der Rheumatologie zu spezialisieren, ist es wichtig, früh einen klaren Plan zu haben. Die Rheumatologie verbindet klassische Innere Medizin mit hochspezialisierter Betreuung entzündlich-rheumatischer und immunologischer Erkrankungen. Hier erfährst du, was du konkret während der Weiterbildung leisten musst und welche Kompetenzen dich erwarten.
Rheumatolog:innen behandeln Patient:innen mit Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Immunsystems – von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Kollagenosen und Vaskulitiden über degenerative Gelenkerkrankungen bis hin zu Stoffwechselstörungen wie Osteoporose oder Kristallarthropathien. Du lernst, diese oft chronischen Erkrankungen zu diagnostizieren, medikamentös und nicht-medikamentös zu therapieren und Patient:innen langfristig zu begleiten. Schulungsprogramme, Rehabilitation und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Orthopädie, Physikalischer Therapie und Psychosomatik gehören zu deinem Alltag.
Die Facharztweiterbildung dauert 72 Monate (6 Jahre). Dazu gehören
– 36 Monate Innere Medizin und Rheumatologie, davon mindestens 24 Monate stationäre Patientenversorgung,
– 24 Monate in mindestens zwei anderen internistischen Fachgebieten,
– sowie jeweils 6 Monate in der Notaufnahme und 6 Monate Intensivmedizin.
Diese Abschnitte müssen an von der Ärztekammer befugten Weiterbildungsstätten absolviert werden. Viele Kliniken bieten Kombinationsstellen an, sodass du mehrere Pflichtanteile am gleichen Haus abdecken kannst.
Die Weiterbildungsordnung gibt konkrete Richtzahlen vor, die du im Logbuch dokumentieren musst:
400 Sonographien im Abdomen, Retroperitoneum, an peripheren Arterien/Venen und Schilddrüse im Rahmen der allgemeinen Inneren Medizin.
200 Sonographien des Bewegungsapparates einschließlich Farbdoppler speziell im rheumatologischen Bereich.
50 Osteodensitometrien (DEXA) zur Knochendichtemessung bei Osteoporose.
50 Kapillarmikroskopien, z. B. zur Diagnostik von Kollagenosen und Vaskulitiden.
100 intra- und periartikuläre Punktionen/Injektionen oder Infiltrationen bei entzündlichen oder degenerativen Gelenkerkrankungen.
Darüber hinaus gehören die mikroskopische Analyse von Gelenkflüssigkeit, die Befundinterpretation serologischer und molekularbiologischer Untersuchungen (inklusive HLA-Marker) sowie immunologische Labormethoden wie Immunassay, Immunfluoreszenz oder Dot-Blot dazu. Auch eine regelmäßige Teilnahme an rheumatologischen Schulungen und strukturierte Patientenschulungsprogramme sind Bestandteil.
Neben der Technik lernst du die Therapiesteuerung anhand von Aktivitätsindizes, den Einsatz von immunsuppressiven und immunmodulatorischen Therapien inklusive Infusionsbehandlung sowie die Prophylaxe und Behandlung von Infektionen unter Immunsuppression. Fibromyalgie und chronische Schmerzsyndrome gehören ebenfalls zu deinem Spektrum – hier geht es nicht nur um Medikamente, sondern auch um multimodale Ansätze und psychosoziale Unterstützung.
Im Bereich Rehabilitation musst du die Indikation für Reha-Maßnahmen stellen, Nachsorgeleistungen verordnen und stufenweise Wiedereingliederungen steuern.
Auch der Strahlenschutz gehört verpflichtend zur Weiterbildung – Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlensicherheit sind Voraussetzung, um bildgebende Verfahren wie DEXA rechtlich korrekt durchführen zu dürfen.
Rheumatologie ist ein zukunftsweisendes Fach: Die Zahl chronisch-entzündlicher Erkrankungen steigt, und mit modernen Therapien wie Biologika oder zielgerichteten Immuntherapien gibt es ständig neue Möglichkeiten. Rheumatolog:innen sind stark gefragt, sowohl in Kliniken als auch in Praxen. Du arbeitest an der Schnittstelle von Innerer Medizin, Immunologie und Bewegungsapparat und baust eine enge, langfristige Beziehung zu deinen Patient:innen auf.
Plane deine Rotationen frühzeitig und achte darauf, dass du alle Richtzahlen erfüllst. Dokumentiere jede Untersuchung und jeden Eingriff von Beginn an im Logbuch. Suche dir Mentor:innen im Fachbereich, die dich unterstützen und dir Zugang zu den spezifischen Untersuchungen (z. B. Sonographie am Bewegungsapparat) ermöglichen.
Mit Leidenschaft für immunologisch-rheumatische Erkrankungen und einer klaren Strategie kannst du so erfolgreich Fachärztin oder Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie werden.