BlogtorsFuture – Hinter den Kulissen


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Von heißen Hengsten und fatalen Fehlern

17 June 2021

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde. Ich kann euch sagen: Dieses Büro hier voller Frauen, unterschreibt dieses Sprichwort sofort! Als es vor vier Wochen hieß, dass wir endlich den Hof unserer ehemaligen Chefin und Kollegin Isabell besuchen dürfen und dort ein Teamevent haben, waren wir alle begeistert!

Vorletzte Woche war es dann so weit: Der Freitag war gekommen. Aller Bürokram war am Donnerstag erledigt (ok, sagen wir fast alles, also das meiste…naaa gut…das Dringlichste), wir haben das Bürooutfit gegen Pferdesachen getauscht, haben Fahrgemeinschaften gebildet und sind losgedüst.

Ich bin ganz ehrlich: Ich war früher ein richtiges Pferdemädchen! Mit den Jahren hat sich die Liebe ein bisschen gewandelt, ich steh immer noch auf Pferde, aber die sollten jetzt am besten in einem V8 Motor galoppieren…nichtsdestotrotz kam natürlich die alte Liebe zu den sanften weichen Riesen wieder hoch, als ich am Hof aus meinem Auto stieg. Der wohlige Duft nach warmen Fell und Pferdeäpfeln versetzte mich 15 Jahre zurück und machte mir eine Gänsehaut. Die Erinnerungen an meine Teenagerzeit durchströmten mich warm und ich fühlte mich direkt angekommen.

Zur Begrüßung tranken wir entspannt eine Tasse Kaffee und lernten Isabells Kollegin Ina kennen. Der Tag startete unaufgeregt – das ist im Büro eigentlich nie der Fall. Bei uns gibt es immer von morgens an zu tun. Wir alle lieben unseren Job, aber gerade in der aktuellen Zeit sind viele Kliniken auf Personalsuche und bei DoctorsFuture hat die Meet-the-Expert-Saison begonnen, sodass wir mitunter gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Dieser Tag auf dem Hof kam mir ehrlich gesagt gelegen, auch wenn ich gestehen muss, dass ich nie wirklich von meiner Arbeit abschalte und ich weiß, dass es meinen Kolleginnen auch oft so geht. Für uns ist es selbstverständlich, am Abend oder am Wochenende Kundentermine zu haben oder Anfragen zu beantworten. Ich persönliche schreibe oft Texte am Wochenende, weil ich eine Eingebung habe und diese Idee dann umsetzen will, bevor die Kreativität versiegt und meine Kolleginnen sind eben neben Recruiterinnen auch manchmal „Seelentröster“ für Arbeitnehmer und Geschäftsführer. Sind wir ehrlich: Wir sind natürlich keine Ärzte und arbeiten lange nicht so viel, aber für uns sind Arbeit in den Abendstunden oder am Wochenende auch keine Fremdwörter. Insofern wollte ich den Tag unbedingt nutzen, um Arbeit einfach mal Arbeit sein zu lassen und die Zeit auf dem Pferdehof genießen.

Für Ina war es wichtig, uns etwas kennenzulernen. Auf dem Reitplatz haben wir daher zuerst alle erstmal reihum gesagt, wer wir sind: „Hallo, ich bin Nadine, ich leite DoctorsFuture, mache dort Öffentlichkeitsarbeit, Projektkoordination und Eventmarketing. Ich bin als Teenagerin zehn Jahre geritten. Erst voltigiert, später Dressur. Und meine Freizeit teile ich mir auf zwischen meinem Hund und dem Oldtimer, den ich restauriere.“ Überraschend, ich weiß. Bei meinem explosiven Charakter wäre Springreiten besser gewesen.

Nach der Vorstellungsrunde ging es los in unsere erste Aufgabe. Wir wurden in Dreiergruppen aufgeteilt, Isabell und Ina haben einen Parcours auf dem Reitplatz aufgebaut und holten das erste Pferd. Die Aufgabe für die Gruppen war es, ihr Pferd ohne Führstrick oder Berührung durch den Parcours zu führen. Dabei galt: Stehst du dahinter, gibst du Gas, stehst du seitlich, lenkst du, stehst du davor, bremst du. Spoileralarm: Diese Theorie lässt sich in der Praxis nur mit der richtigen Ausstrahlung umsetzen. Ziel dieser Übung war es, zu visualisieren, wo das Ziel ist. Der Parcours bestand aus einem Slalom, einer Richtungsweisung und einer Parklücke, in die das Pferd rein musste. Wie ihr euch vorstellen könnt, mussten wir uns das ein oder gefallen lassen und brauchten ein paar Minuten, um die Übung ausführen. Schlussendlich haben es aber alle Teams geschafft.

Nach dieser Aufgabe ging es dann etwas ruhiger zu – es stand eine Ruheübung an. Pferde putzen (vermutlich, weil Ina und Isabell da selbst keinen Bock darauf hatten) und die Seele baumeln lassen. Da haben wir es wieder, dieses loslassen, was ich so unfassbar gut kann. Nicht. Dieses „Ich denke jetzt nicht an die Arbeit.“, dieses „Ich muss noch an das, das und das denken.“ Ich würde wirklich gern sagen, dass mir das diesmal, als ich den Pferdeduft gerochen, das weiche Fell gestreichelt und die tiefen Atemzüge des Tieres unter meinen Händen gespürt habe, absolut leicht gefallen ist und ich komplett abschalten konnte. Wie gesagt: Würde ich gern sagen. Ich kleiner Kontroletti kann das allerdings nicht sagen. Es ist schwer für mich, mal was aus der Hand zu geben. Das liegt nicht daran, dass ich hier Kompetenzhäufung betreibe, sondern weil ich einfach will, dass es richtig gemacht wird. #sorrynotsorry

Als letztes stand reiten an. Dabei sollten wir ohne Sattel und Geschirr rückwärts gerichtet mit dem Oberkörper auf dem Popo des Pferdes liegen. Wenn du den Satz jetzt nochmal gelesen hast: Ich habe das wirklich geschrieben. In unseren Dreierteams hat dann je eine das Pferd geführt und gesichert, eine hat an der Seite gesichert und eine war oben auf. Während es für viele eine neue Erfahrung war, habe ich mich durch meine Dressurerfahrung gefühlt, als hätte ich alles unter Kontrolle. #läuftbeimir Ich habe mich auf das Pferd geschwungen, mich rumgedreht und hingelegt. Ich würde sagen, grob zehn Sekunden hatte ich alles unter Kontrolle. Dann spürte ich die vertrauten Zuckungen in der Pferdemuskulatur, spürte, wie die Hinterbeine den Boden verließen, einmal, zweimal, ich sah die Stelle, wo ich landen würde, rief die notwendigen Körperbewegungen ab und beim dritten Buckeln des Pferdes habe ich meine Bonusmeilen eingelöst und einen Freiflug gebucht. Passiert ist mir nichts, aber vor fünfzehn Jahren wäre ich wahrscheinlich auf den Füßen gelandet. Meine Landung war dank guter Polsterung nicht extrem hart, aber es hätte echt nicht sein müssen, dass alle meine Kollegen mir dabei zusehen, wie ich vom Pferd gebuckelt werde. #peinlich Ende der Geschichte: Isabell hat sich kurz nach meinem Wohlbefinden erkundet und mich gefragt, ob ich wieder aufsteigen will.

Ich verrate euch ein Geheimnis: Das Adrenalin ist durch meinen Körper geschossen, meine Muskulatur hat gezittert, die entsetzten Blicke der Kollegen ließen mir die Röte ins Gesicht steigen, aber ich bin viel zu stolz, um nicht wieder aufzusteigen. Ich wollte…nein…ich MUSSTE es allen zeigen. Ist nicht das erste Mal gewesen, dass ich vom Pferd gebuckelt wurde. Auch bin ich in meinem Leben schon oft auf die Schnauze geflogen und ich wäre nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt bin, wenn ich nicht immer wieder aufgestanden wäre. Ende vom Lied: Beim zweiten Versuch blieb ich oben und konnte die letzte Übung beenden.

Natürlich waren wir nicht nur aus Spaß und Unsinn da und in der folgenden Woche haben wir das Thema nochmal in den Personalgesprächen aufgenommen. Was nehme ich mir aus diesem Tag und dieser Erfahrung mit? Grundsätzlich sollte ich begreifen, dass ich manchmal einfach Aufgaben delegieren muss. Kontrolle abgeben bedeutet nicht, Schwäche zu zeigen, sondern sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Wir sind alles Menschen und machen Fehler. Auch wenn ich noch so gern perfekt sein und fehlerfrei arbeiten will, ich darf Fehler machen. Das dürfen wir alle. Wichtig ist es nur, daraus zu lernen. Wenn es bedeutet, dass ich Aufgaben, die jemand anderem besser liegen, abgeben muss, dann sollte ich meinen verdammten Stolz runterschlucken, es laut aufsprechen und um Hilfe bitten.

Was ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen will: Ich habe auch ohne das Personalgespräch gewusst, was es bedeutet, dass ich runtergebuckelt wurde, denn ich habe mir mit meinem Perfektionismus schon oft selbst im Weg gestanden. Aber ich habe meinen Wunsch nach Kontrolle zurückgestellt und mir eingestanden, dass ich vielleicht zum Wohle des Unternehmens ein oder zwei kleinere Aufgaben abgeben sollte. Das schmeckt für mich, als würde ich in eine Zitrone beißen, aber ich nehme Salz und Tequila dazu. Den trinke ich aber mit allen meinen Kolleginnen.

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