BlogtorsFuture – Hinter den Kulissen


back Back

Urlaub kennt keine Regeln

03 September 2021

Es ist ein Feeling. Genauer gesagt: Ein Urlaubsfeeling.

Sie herrscht wieder in den Fluren der Büros, Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen: Diese trügerische Ruhe in der Urlaubszeit. Während einige Kollegen am Pool liegen und bunte Cocktails durch (neuerdings aus Papier bestehende) Strohalme schlürfen, erschrecken sich andere Kollegen vor dem Hall ihrer eigenen Stimme in der Kantine, so leer ist es dort. „Hallo..oo..oooo…oooohoo?!“ schallte es letztens zurück, als ich morgens das Büro betrat. Gruselig. So leer ist es sonst nur, wenn alle fluchtartig die Räume verlassen, weil ein Hund unter den Tisch kotzt…

Urlaub fetzt grundsätzlich schon sehr. Zumindest für die, die gerade welchen haben. Alle Jahre wieder stellt sich jedoch dieser unwirkliche Schwebezustand im Büro ein, in welchem ich mich jeden Morgen unweigerlich frage: Ist heute Samstag? Haben die alle keine Lust? (Geht es hier neuerdings nach Lust?!) Haben wir ein Teamevent und ich habe es vergessen? War schon wieder Zeitumstellung?!

Mit der Urlaubszeit stellen sich alljährlich auch Probleme ein. Das Witzige ist: Es sind immer wieder die gleichen und dennoch fährt der Karren jedes Jahr aufs Neue vor die Wand. Man sollte meinen, dass mit all der Erfahrung, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hat, so langsam aber sicher mal alle Probleme ausgemerzt wurden, aber das ist wie mit Weihnachten: Du weißt das ganze verdammte Jahr über, dass du am 24.12. Geschenke brauchst, aber rennst dennoch am 23.12. glühweingeschwängert durch die überfüllte Innenstadt und kaufst eine hässliche Krawatte für deinen Dad und ein widerlich süßes Parfum für deine Mom. Das menschliche Gehirn scheint einfach nicht imstande, solche wiederkehrenden Schwierigkeiten angemessen einzusortieren und lösungsorientiert zu bearbeiten.

Ich meine, sind wir ehrlich: Seit vier Wochen starte ich regelmäßig den PC im Konferenzraum, damit sich die Kollegen im Homeoffice mit einloggen können, mit dem täglich immer gleichen Ergebnis, dass der virtuelle Meetingraum leer bleibt. Oder auch toll: Pflanzen. Was soll das? Warum sterben die plötzlich alle? Ach so…Kollegin 1, also die, die sonst gießt, ist im Urlaub. Zwar hat sie an Kollegin 2 einen detaillierten Gießplan hinterlassen, aber diese hat vergessen, den Plan bei IHRER Urlaubsübergabe mit zu übergeben. Ich schütte das Wasser aus der Tropfschale der Kaffeemaschine unauffällig an den Fikkus. Der erholt sich schon wieder. #deristnichtotderwächstnurknusprig

Ein schweres Los ist es auch, wenn die Lieblingskollegin oder der Lieblingskollege ohne dich in Urlaub fährt. #sosad WEM ZUR HÖLLE SOLL ICH DENN DANN VON MEINEM WOCHENENDE ERZÄHLEN??? Letztens habe ich mich dabei erwischt, wie ich dem trockenen Fikkus berichtet hab, wie mein Date war. Aber sind wir ehrlich: Der kann besser zuhören als alle anderen hier. #fortschritt

Hübsch anzusehen sind auch die ganzen Urlaubsbilder in der WhatsApp Gruppe des Büros. Kolleginnen am Strand, vorm Pool, beim Sonnenuntergang, beim Sightseeing, am Buffet, vorm Hotel und vieles mehr. Ich freue mich immer über diese Bilder, allerdings verzichte ich mittlerweile darauf, Dinge zu schreiben wie: „Wunderbar! Sieht fantastisch aus bei euch in Kroatien!“ Neulich kam nämlich kurz drauf die Antwort: „Wir sind Ägypten!“ #fail Ja, gut, ist doch egal, ob Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien. (*Gemöllert.)

Und dann ist da noch die Sache mit den Abwesenheitsnotizen in Mailings und das Weiterleiten an andere Kollegen. Ich arbeite heute nichtsahnend an meinem Schreibtisch, als plötzlich eine E-Mail reingeflattert kommt. Verwundert lese ich den Betreff: Telefonplan. Öhm. Also es ist nicht so, dass ich nicht telefonieren kann. Das kann ich sogar ausgezeichnet. Neben Kaffee trinken und Süßigkeiten futtern gehört telefonieren zu meinen Kernkompetenzen. Aber das ich neuerdings unsere Telefonkräfte unterstützen soll, war mir nicht klar. Verwirrt öffne ich die Mail und schaue mir den Plan an, den die Kollegin geschickt hat. Es hat eine ganze Minute gedauert, bis ich begriffen habe, dass diese Mail nicht an mich gerichtet war, sondern an eine andere Kollegin, die ihre Mails wiederrum an mich weitergeleitet hat, damit ich sie mit im Auge behalte. Doch im Vergleich zu dem, was es hier letztens für einen E-Mail Fauxpas gab, war das gar nichts!

Folgendes hat sich bei uns zugetragen (Kein Scherz!): Kollegin 1 hat Urlaub. Kollegin 2 stellt eine Abwesenheitsnotiz ein und leitet, weil sie das immer so macht, wenn sie in den Urlaub geht, ihre Mails an Kollegin 1 weiter. Kollegin 2 bedenkt dabei aber nicht, dass Kollegin 1 noch eine weitere Woche Urlaub hat. Passiert ist dann folgendes: Kollegin 2 bekommt eine E-Mail. Diese wird an Kollegin 1 weitergeleitet und dann sendet das Mailprogramm die Abwesenheitsnotiz von Kollegin 1 an den Absender. Schon das ist peinlich. Das schlimmste an der Sache ist aber, dass unsere Mailadressen sich aus dem ersten Buchstaben des Vornamens und dem Nachnamen zusammensetzen und die Vornamen beider Kolleginnen mit „J“ beginnen, was dazu geführt hat, dass hier eine Woche lang unentwegt das Telefon geklingelt hat, weil alle Absender Kollegin 2 zur Eheschließung gratulieren wollten. #facepalm

Ja, die Urlaubszeit ist schon eine ganz besondere. Ganz egal, wie sehr sich die Angestellten bemühen, ihre Abwesenheit so dienstleistungsorientiert wie möglich zu überbrücken, Fakt ist: Das Chaos wird sich einstellen. Schauen wir mal, was uns dann in der nächsten Urlaubssaison für Überraschungen erwarten.