BlogtorsFuture – Hinter den Kulissen


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Tiefe Tops und tiefe Preise?

09 July 2021

Viele bekommen beim Thema Preisverhandlungen Stresspusteln, Schweißflecken und feuchte Hände. Handeln konnte ich schon immer gut. Früher hat es aber nie zu meinen Aufgaben gehört und somit muss ich mich damit erst neuerdings beruflich auseinandersetzen.

Wie wir alle wissen: Gute Arbeit kostet gutes Geld. Das ist, was ich meinen Kunden immer vorbete. Bin ich jedoch Kundin, dann darf gute Arbeit gern auch mal etwas weniger kosten. Meine Ansicht ist da so flexibel wie eine Leoprint-Leggins: Wie man das findet, ist alles eine Frage des Standpunktes. (Das ist bei den Leggins übrigens genauso.)

Vor zwei Wochen klingelte mein Telefon und es rief ein Veranstaltungsmanager aus einer Location an, der sich nach einer Teilnehmerzahl erkundigen wollte. Nachdem ich ihm die Info übermittelt hatte, sagte er „Perfekt. Dann sehen wir uns morgen. Dann müssen wir auch nochmal über etwas Wichtiges reden.“ Solche Aussagen machen mich immer hellhörig, denn ‚über etwas Wichtiges reden‘ ist in der Geschäftswelt das Synonym für Preisverhandlungen. Und was dabei sicher ist: Der will mir keinen Rabatt anbieten. Frech fragte ich ins Telefon: „Worum wird es denn gehen? Muss ich etwas vorbereiten?“ (Was ich eigentlich wissen wollte: Wie schlimm ist es? Welches Top muss ich mit welchem Lippenstift kombinieren? – Sexistisch, ich weiß, aber man muss sein Ass eben richtig präsentieren (Wortspiel beabsichtigt), um zu gewinnen.) „Wir müssen über die Raummiete sprechen. Sie haben den großen Saal jetzt zu Sonderkonditionen bekommen und nur die Seminarraummiete gezahlt. Das sind 350 € Unterschied.“ Ooookayyyy…das ist ein Fall für die schwarze Röhrenjeans und das tiefausgeschnittene, rote Satintop mit den schwarzen Spitzenapplikationen. Haare offen. Mein tiefroter Lippenstift regelt den Rest. Alle Männer denken jetzt: Pfff. Niemals. Fällt der nicht drauf rein. Alle Frauen wissen: Safe! Der zahlt dir wahrscheinlich noch Geld, dass du zu ihm kommst. Natürlich muss ich strategisch klug vorgehen: Dank Jeansjacke fällt der Hinter(n)halt erstmal gar nicht so auf – das Outfit wirkt locker, quasi harmlos. Wir waren zu viert in dem Raum: Zwei Männer, die die Technik regeln, der Veranstaltungsmanager und ich. Lockere Runde im Stehen, seichte Gespräche. Als mein Verhandlungspartner das Thema in Richtung Preisverhandlungen anging, machte er einen Fehler. Er blickte kurz weg von mir. Unglücklich, denn das steigert den Wow-Effekt nur. Als er sich wieder zu mir drehte, lehnte ich locker am Tisch und lächelte ich ihn an. Die Jeansjacke lag neben mir auf dem Tisch. Die Unterhaltung der Techniker war verstummt. Sein Plan war, dass er mir 110,- € entgegen kommt. Mein Plan waren 180,- €. Die Verhandlung war kurz und schmerzlos. (Zumindest für mich.) Ich habe die Zusage für meine Vorstellung bekommen, aber im Angebot standen nochmal 30,- € weniger. Wahrscheinlich hatte er vergessen, was ich gesagt hab. #tittenbonus

Mir ist völlig klar, dass das jetzt nicht jedem gefällt. Aber mein Motto ist: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Hier ist nicht der Weg das Ziel, sondern das Ziel ist das Ziel. Und das unternehmerische Ziel ist die Gewinnmaximierung. Warum nicht einsetzen, was ich habe? Es dient doch einem guten Zweck: Mein Job ist sicher.

Hat der Chef schon geschickt gemacht: Dieses Büro hier ist voller hübscher Frauen, die sich gut darauf verstehen, zu flirten. Schon einzeln sind wir eine echte Wucht, aber in der Gruppe unschlagbar. Die Männer, die hier reinkommen, brauchen wirklich Mut. Ich befürchte, die allermeisten hören sich hier immer nur „Ja“ sagen und fragen sich hinterher: What the fuck?! Was habe ich getan?

Letztens hatte ich wieder mehr als vierzig Carepakete für ein ONLINE-Meet-the-Expert, die ich eigentlich zur Post bringen musste. Als der DHL Fahrer kam, habe ich ihn abgefangen und gefragt, warum ich für diese Menge keine Abholung bestellen kann. Ich hätte einiges dafür geboten, dass er die einfach mitnimmt, da kam plötzlich unsere Senior-Recruiterin aus ihrem Zimmer, die das Gespräch natürlich mitgehört hatte. Sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln und im nächsten Moment lud er etwas verwirrt die Carepakete in sein DHL Auto.

Insgesamt können wir uns nicht über mangelnde Erfolge oder Aufmerksamkeit beschweren: Ständig kommen Blumen ins Büro (Nicht für mich, dafür bin ich dann doch etwas zu frech.), wir ernten viele Komplimente und letztens habe ich mir mit einem flotten Spruch ein Gratis-Dessert bei einer Präsenzveranstaltung ergaunert.

Ich gebe gern unumwunden zu, dass ich meinen Charme und mein Aussehen spielen lasse, wenn ich was will. Neulich beim Mittag habe ich gesagt, dass ich meistens nur nett lächeln muss und schon bekomme ich, was ich will. Unsere Senior-Recruiterin hat nur breit gegrinst. #allesklar

Allerdings klappt das natürlich nicht immer. Vor zwei Wochen musste ich dem Chef eine fette Stornorechnung über mehr als 1.000,- € vorlegen. Ich habe am Telefon echt alles gegeben. Ich habe geflirtet, habe etwas zu laut über die Witze gelacht, habe Komplimente und etliche Zusagen gemacht, habe auf die Tränendrüse gedrückt – aber am anderen Ende der Leitung erhielt ich nur ein kokettes Lachen. Die Frau hatte es echt drauf.