BlogtorsFuture – Hinter den Kulissen


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Hast du richtig gezielt?

19 August 2021

Da stehe ich hier, futtere saure Würmchen und frage mich, ob es bei einigen Kolleginnen bei dem ganzen schlechten Wetter draußen etwas reingeregnet hat und die einen Kurzschluss im Hirn hatten. Meine Irritation ist grenzenlos. Jetzt wollen die an einem Triathlon teilnehmen. T-R-I-A-T-H-L-O-N. Im Grunde bin ich dreifach irritiert: Schwimmen, Rad fahren UND Rennen. Das Einzige, was ich davon kann, ist schwimmen. Würde ich aber am liebsten nur in Geld. Der Chef redet von Teamspirit, die Senior-Recruiterin von Teamevent, ich rede von Teamirrsinn.

Seit dieses Thema aufgekommen ist, werden hier für mich unverständliche Phrasen wie „Ich war heute früh nach dem Aufstehen vier Kilometer joggen!“ über die Flure gerufen. Das Einzige, was ich nach dem Aufstehen mache, ist Kaffee. Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus in der Lage, diesem sportlichen Eifer meinen ehrvollen Respekt zu zollen. Das mache ich jedoch von der Seitenlinie aus. Seit sich die Mädels angemeldet haben, dreht sich hier alles nur noch um den Triathlon. Die Strecke wird abgerannt, -geradelt und -geschwommen. Es werden Zeiten genommen, Analysen gemacht, Pläne geschmiedet, andere Teams abgecheckt und sportliche Defizite wegtrainiert. Ein weiteres saures Würmchen wandert in meinen Mund.

Eifer und Siegeswille sind für mich natürlich keine Fremdwörter. Ich bin gern die erste, die beste, das Maß der Dinge, die Siegerin. (Steht ja auch auf meiner Tasse und wie jeder weiß, können Tassen nicht lügen.) Verlieren ist was für die anderen. Jeder sollte Ziele im Leben haben und im Grunde meines Herzens empfinde ich diesen momentan im Büro herrschenden Ehrgeiz als extrem beflügelnd. Er hilft mir, schneller voranzukommen. Schnell wandert meine Hand daher in die Tüte saure Würmchen.

Das ist der Sinn von Zielen: Sie sollen einen beflügeln! Dabei stellt sich jedoch die Frage: Wie legt man im Leben die richtigen Ziele fest? Und wenn sie feststehen, dann ist eine unablässige Reflektion nötig. Wie arbeite ich darauf hin, wann habe ich mein Ziel erreicht und die wahrscheinlich wichtigste Frage: Ab wann sollte ich meine Energie woanders investieren? Ein Ziel aufzugeben, fühlt sich für viele wie Versagen an, dabei ist es das genaue Gegenteil: Sich einzugestehen, dass ein Punkt erreicht ist, an dem es nicht mehr weiter geht, zeugt von absoluter Größe und Weitsicht. Es hat nichts mit Aufgeben zu tun, sondern damit, dass Energien an einer anderen Stelle einfach sinnvoller eingesetzt werden können. Leider passiert es auch bei uns ab und zu, dass wir einen Auftrag nicht erfüllen können oder ein Event canceln müssen. Solche Momente sind schwierig und erfordern Feingefühl.

Doch unternehmerische Ziele sind etwas ganz anderes als persönliche Ziele. Es gehört auch zu unserem Arbeitsalltag, mal einen Bewerber abzulehnen oder diesem abzusagen. Gerade wenn es um den beruflichen Werdegang geht, sind viele Kandidaten sehr engagiert, doch einige wollen die Karriereleiter mitunter schneller hochsteigen, als es möglich ist. Natürlich geht es bei manchen schneller als bei anderen, aber es muss jede Sprosse genommen werden. Ein Ziel zu erreichen, bedeutet Arbeit hineinzustecken – es fällt dir nicht einfach in den Schoss. Manchmal kommt es jedoch vor, dass wir ein Ziel nicht erreichen können, egal wieviel Energie wir hineinstecken. Diese Erkenntnis geht in der Regel mit Frust einher, doch je schneller wir unsere Energie umlenken in ein neues Ziel, desto besser ist es für uns.

Beruflicher Erfolg basiert auf Arbeit, Entbehrungen, Elan und Herzblut. Gerade Ärzte haben einen langen Weg zu gehen und der Beruf ist gewiss kein leichter. Darum spüren wir oft ganz genau die Enttäuschung der abgelehnten Kandidaten. Diese Momente sind es jedoch, die den Job unserer Recruiterinnen prägen. Mit viel Feingefühl gehen meine Kolleginnen in solche Gespräche, holen die Kandidaten ab, helfen ihnen, die Enttäuschung in neue Energien umzuwandeln und setzen für sie einen neuen Fokus.

Auch das prägt unseren Job. Zielausrichtung, Fokus setzen, Enttäuschungen verarbeiten und Unterstützung bei der beruflichen Entwicklung mit dem richtigen Weg. Dieser Weg ist oft nicht geradlinig, oft nicht leicht und oft nicht kurz. Doch angekommen ist bisher noch jeder. Wir werden sehen, wie das beim Triathlon wird.