BlogtorsFuture – Hinter den Kulissen


back Back

Große Klappe, viel dahinter?!

25 June 2021

Neuerdings haben wir im Büro ein mentales Arschloch-Glas, in das jeder, der frech wird, einzahlt – beziehungsweise ist die Endlösung hier, dass man eine Runde Süßigkeiten schmeißt. Ich. Bin. Am. Arsch. Wohlgemerkt: „am“ nicht „ein“. Aber ich verstehe durchaus, dass es bisweilen leichter ist, zu sagen, dass ich garstig bin, als sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. (Ja! Das schreibe ich hier wirklich, liebe Kollegen!) Letzte Woche habe ich dreimal eine Runde geschmissen, diese Woche habe ich es auf zwei geschafft. Ich muss wirklich dringend – DRINGEND – mein Gehalt nachverhandeln.

Ich habe in einer WhatsApp Freundesgruppe (Ja, ich habe wirklich Freunde.) ein Bild von meinem Eis geteilt und dazu geschrieben, dass ich im Büro schon wieder was ausgeben musste, weil ich einen frechen Spruch gemacht hab. Daraufhin antwortete prompt jemand: „Das du nicht einfach mal daraus lernst. Beiß‘ dir doch beim nächsten Mal einfach auf die Zunge.“ Ehrlich? Da beiße ich lieber in meinen Keks. Oder in mein Quarkbällchen. Oder in meinen gut gekühlten Schokoriegel.

Wenn man sich bei mir auf etwas verlassen kann, dann sind es meine scharfe Zunge, meine Schlagfertigkeit und mein bissiger Humor. Und ich bin ganz ehrlich: Die Kollegen und der Chef stehen drauf. (Obwohl Sie möglicherweise auch einfach auf die Süßigkeiten stehen.) Überhaupt geht es bei uns immer ziemlich ab. Wir machen alle gern Sprüche und haben immer viel Spaß auf Arbeit. Neulich beim Mittag haben wir uns über Mückenstiche unterhalten. Der Chef (Einziger Mann am Tisch mit sechs Frauen.) sagte dann: „Wusstet ihr, dass bei Mücken nur die Weibchen stechen?“ Postwendend fiel aus meinem Mund: „Witzig. Bei Menschen ist es genau umgekehrt.“ #ups Tatsächlich mache ich das automatisch. Die Sprüche rutschen mir einfach raus, ohne dass ich groß drüber nachdenke. Muss man mögen, schon klar.

Aber meine Kolleginnen haben es auch faustdick hinter den Ohren. Diese Woche hat eine nicht namentlich genannt werden wollende Kollegin ebenfalls einen (selbst für mich!) frechen Spruch gemacht. Bei der Wärme tragen wir natürlich alle Röcke oder Kleider und mein Hund Jarvis – ein echter Ladykiller – schiebt gern seine Schnauze darunter. Als unsere Senior-Recruiterin unaufmerksam war, hat er seine Chance genutzt und unter ihr Kleid gelupft. Sie schob ihn weg und der Chef, der danebenstand und die Szene beobachtete, fragte dann, warum es bei männlichen Bürohunden ein allgemeinhin akzeptiertes Verhalten darstellt, während die anderen Männer im Büro das Nachsehen haben. Daraufhin sagte die andere Kollegin: „Tja Chef. Da müssen Sie auch mal auf alle viere gehen.“ #dashatsiejetztnichtwirklichgesagt

Tatsächlich kann unser Chef echt einstecken (muss er auch oft) und er hat von allen am lautesten gelacht. Aber ich bin ganz ehrlich: Ich habe als erstes gelacht. Ich konnte einfach nicht mehr und für so einen geilen Spruch kann ich nur meinen Hut lüften und meinen Respekt zollen.

Doch es sind nicht nur die Sprüche. Irgendwie passiert hier auch ständig Blödsinn und wir lachen immer gemeinsam, wenn mal was schief geht. Beispielsweise wurden wir von eurem Interesse an unseren ONLINE-Meet-the-Experts förmlich überrollt! Ihr meldet euch mit einem unfassbaren Eifer an und wir sind zuweilen echt überfordert von der Menge an Carepaketen, die wir packen und verschicken müssen. Um die Pakete zur Post zu birngen, gibt es einen Wagen, dennoch hole ich mir Hilfe dafür, denn der ist vollgepackt nicht nur verdammt schwer, sondern ich muss auch ein Kopfsteinpflaster bewältigen. Letztens habe ich mit einer unserer Recruiterinnen die Carepakete weggebracht und als wir über den holprigen Abschnitt gerattert sind, haben ein paar Päckchen fast einen Freiflug gewonnen. Wir konnten gerade noch die hüpfenden Pakete auffangen und sind dann auf offener Straße in verrücktes Gelächter ausgebrochen. Einige Passenten haben die Straßenseite gewechselt, weil wir uns überhaupt nicht mehr beruhigen konnten.

Soll ich euch noch ein Geheimnis verraten? Aber das muss wirklich unter uns bleiben! Rückt mal etwas näher an den Bildschirm…Für die ONLINE-Meet-the-Experts nutze ich eine Alibi-Tasse! Es sieht aus, als würde ich Tee oder Kaffee trinken, aber Tatsache ist: Dort ist Alkohol drin. Meistens Sekt oder Cidre. Jetzt müsst ihr bestimmt immer alle daran denken, wenn ihr mich im ONLINE-Meet-the-Expert aus einer Tasse trinken seht. Allerdings hat der Chef den Sekt zu den Online-Veranstaltungen eingeführt. Auf meinem Mist ist nur die Alibi-Tasse gewachsen.

Apropos Tasse: Das ist so ein Dorn im Auge des Chefs gewesen. Wo er mich sonst akzeptiert, wie ich bin und eigentlich ganz gut damit leben kann, hat ihn meine Bürotasse irgendwie genervt. Er ging mir jetzt ewig damit auf die Nerven, dass meine Tasse ihm zu negativ ist. Darauf stand: „I don’t like morning people. Or mornings. Or people.“ Und daneben saß ein kleiner Panda im Baum. Was nun ausgerechnet den Panda auszeichnet, ein Menschenhasser zu sein, weiß ich nicht, aber irgendwie konnte ich mich mit diesem putzigen Tierchen identifizieren. Der Chef jedoch fand, ich darf im Dienst keine Menschen hassen. Ich bin ganz ehrlich: Verstehen kann ich das nicht, aber ich bin durchaus ausreichend empathisch, um nun – nach mehreren Monaten – eine gewisse Einsicht an den Tag zu legen. Nachdem auch unsere Senior-Recruiterin in diese Kerbe geschlagen und mir angeboten hat, ich soll mir eine neue Bürotasse aussuchen und sie schenkt sie mir, habe ich nachgegeben. Als letztes aufmüpfiges Zeichen meines Protestes habe ich ihr einen Link zu einer Tasse mit der Aufschrift „Wenn dein Schwanz so groß ist wie deine Fresse, bin ich interessiert.“ geschickt. Darauf bekam ich übrigens keine Antwort, aber ich bin natürlich kein Unmensch. Ich habe jetzt einfach eine andere Tasse genommen. Diese trägt die Aufschrift „Sieger“. Passt ohnehin viel besser zu mir. #isso

Wir können stillschweigend davon ausgehen, dass ich mit meiner Art gut ankomme, denn wenn dem nicht so wäre, dann hätte ich mir längst einen neuen Job suchen müssen. Doch es gibt auch Momente, da wünschte ich mir, ich hätte mich mal nicht so weit aus dem Fenster gelehnt. Letztens habe ich auf den Social-Media-Kanälen Werbung für ein Anästhesie-Meet-the-Expert gemacht. Einige haben es vielleicht gelesen: Ich habe geschrieben „Naaa...ist deine Vorlesung wieder so öde, dass du heimlich durch Instagram scrollst?! Falls du Bock hast auf noch mehr einschläfernde Sachen: Nächste Woche findet unser Anästhesie Meet-the-Expert statt.“ Ich fand mich echt spitzfindig und witzig. Allerdings nur genau so lange, bis der Geschäftsführer des Krankenhauses den Post geliked und kommentiert hat. Aber er hat glücklicherweise auch einen ziemlich trockenen Humor und hat es (vermutlich) locker genommen.

Ich reiße wirklich oft das Maul auf. Aber was ich sage, meine ich. Ich stelle keine Versprechen aus, die ich später nicht halte. Und sind wir ehrlich: Ich werde mich nicht ändern. Ich bin eben, wie ich bin. Worauf man sich allerdings auch verlassen kann, ist mein Wort. Natürlich erzähle ich euch das nicht (nur), um euch zu unterhalten. Wir sind hier ein Team geprägt von vielen Persönlichkeiten und wir alle tragen mit unserem individuellen Charakter dazu bei, dass Unternehmen voranzubringen. Ab und an wird der Ton rauer, aber jeder, der sich mal im Ton vergreift (was zugegebenermaßen häufig ich bin), ist durchaus in der Lage, die bittere Pille zu schlucken und sich zu entschuldigen. Ehrlicherweise muss ich auch zugeben, dass ich persönlich lieber um Verzeihung bitte als um Erlaubnis. Aber ich sehe ein, dass ich möglicherweise, aber wirklich nur in ganz seltenen Ausnahmefällen, mein Mundwerk etwas zügeln könnte. An dieser Stelle Chef: Sorry, dass ich impliziert hab, dass Sie etwas zu viel Hüftgold haben! Aber Sie haben angefangen! Ich habe den Ball nur zurückgespielt.

Doctors Picture