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Der Ärztliche Direktor und die ‚Anästhetische Magie‘

Meet-the-Expert Dinner Anästhesie mit Herrn Dr. Urlau, Ärztlicher Direktor Kreiskrankenhaus Freiberg
26. Oktober 2020 im Deutschen Hygienemuseum Dresden

Würden wir dem gestrigen Meet-the-Expert-Dinner mit Herrn Dr. Uhrlau ein Motto geben wollen, wäre es wohl „No Mask, no Fun“ geworden. Durch die Corona-Pandemie standen die Zeichen schlecht, die Lage hat sich in der letzten Woche merklich verschärft und wir bangten etwas um den Abend. Nach langer Planung, Organisation und Besprechung haben wir jedoch sichergestellt, dass alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen spannenden und sicheren Austausch genießen konnten.

Der Ärztliche Direktor des Kreiskrankenhauses Freiberg wirkte aufgeschlossen und entspannt, als wir ihn vor dem Hygienemuseum begrüßten. Während die Vorbereitungen liefen, vielen ein paar freundliche Worte, ein unaufdringlicher Smalltalk, der ungewöhnlich leicht war zwischen Menschen, die sich kaum kennen. An diesem Abend begrüßten wir acht Studentinnen – Anästhesie scheint den weiblichen Studierenden in Dresden besonders zu gefallen – und trotz des leichten Nieselreges, der sich eingestellt hatte, und der kühlen Abendluft waren alle unsere Teilnehmerinnen fröhlich und gespannt. Dr. Uhrlau hat mit seiner offenen und freundlichen Art gleich am Anfang seines Vortrages die Zuhörerinnen in seinen Bann gezogen.

Nach seinem Studium in Erlangen absolvierte er die Weiterbildung in der Fachrichtung Anästhesie, wurde dann Facharzt und später Oberarzt. An und für sich zufrieden mit seiner Position gab der Bekanntenkreis von Dr. Uhrlau jedoch den Anstoß für ein Upgrade seiner Karriere. So bewarb er sich 2003 in Freiberg – wie er uns mit einem Augenzwinkern wissen ließ – ohne je dort gewesen zu sein. Jeder Zuhörerin im Raum wurde schnell klar: Mit dem Wechsel und dem damit verbundenen Umzug war der neue Chefarzt sehr zufrieden und das ist er bis heute.

Sein Interesse an der Anästhesie entstand über seine Arbeit in der Notfallmedizin und über den Ausschluss anderer Disziplinen. Die Vorlesung zum Thema war es definitiv nicht, wie er uns lachend wissen ließ. „Die war grottenschlecht und ich habe sie auch nur einmal besucht“ sagte der heutige Ärztliche Direktor unumwunden. Die Liebe zur Anästhesie entdeckte er im PJ. Das strukturierte, kleine Fachgebiet hatte es ihm angetan und er war fasziniert von der „Magie der sofortigen Reaktion“, wie er es selbst ausdrückte. Das Funkeln in seinen Augen machte deutlich, dass ihn diese Faszination bis heute begleitet und es wirkte fast so, als würde er sich beim Gedanken an diese ‚Anästhetische Magie‘ von neuem in das Fachgebiet verlieben.

Ganz klar bietet diese Fachrichtung viele Vorteile. Durch flexible und moderne Arbeitszeitmodelle sowie gut geplante und verlässliche Arbeitszeiten gibt es in seiner Abteilung in Freiberg nicht nur auf dem Papier eine ausgewogene Work-Life-Balance. Ebenso verbringt ein Anästhesist recht wenig Zeit mit Papierkram und durch die personelle Struktur im Kreiskrankenhaus Freiberg ergeben sich drei bis maximal vier Bereitschaftsdienste im Monat. Die Besonderheit hier ist, dass die diensthabenden Ärzte erst zu Dienstbeginn um 15.30 Uhr auf Arbeit kommen. Dadurch verlieren sie zwar Arbeitsstunden, doch sie sind ausgeruht und fit, wodurch der Arbeitstag angenehmer ist. Neben diesen organisatorischen Vorteilen stellte Dr. Uhrlau auch die fachlichen Chancen heraus: Die Anästhesie bietet jungen Ärztinnen und Ärzten ein steile Lernkurve und lässt sie schnell Verantwortung übernehmen. Natürlich ist gerade in der Anfangszeit der Input enorm, erfordert ein hohes Maß an Lernbereitschaft und zehrt an den kognitiven Kräften, doch die Weiterentwicklung im Verhältnis zur Dauer ist riesig. Ein weiterer Vorteil ist die Breite der Fachrichtung. Die Anästhesie ist ein „Querschnittsfach“ und berührt viele andere Bereiche. Dadurch bietet sie auch Sicherheit, denn sollte der ein oder andere im Laufe seiner Karriere einen anderen Weg gehen wollen, ist das erlernte Know-how dennoch anwendbar. „Die Anästhesie ist ein guter Mix aus Technik, Skills und Hirn.“ fasste Dr. Uhrlau die Vorteile zusammen.

Doch der Ärztliche Direktor hat sich auch unverblümt den Nachteilen der Anästhesie gewidmet. In dem Seminarraum waren plötzlich nickende Köpfe zu sehen, als er davon sprach, dass Anästhesisten kaum Lob oder Anerkennung für ihre Arbeit bekommen – weder von Kollegen noch von Patienten. „Wenn Sie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben, dann lassen Sie die Finger von der Anästhesie!“ kam der prompte Appell. Die Augen der Teilnehmer verrieten es: Das wissende Lächeln unter den Masken. Neben der fehlenden Anerkennung arbeiten Anästhesisten wenig „selbstbestimmt“, damit war gemeint, dass sie kein Veto-Recht besitzen und im Zweifelsfall auch einen Operateur stumm ertragen müssen, wenn sie selbst nicht d‘accord mit seiner Arbeitsweise gehen. Weiters Nicken füllte den Raum und damit Schritt Dr. Uhrlau zum letzten Nachteil und verwob geschickt eine private Geschichte. Seine Tochter – selbst angehende Anästhesistin – hatte ihm ein Bild mit einer Liste geschickt. Das Thema der Liste war: „Woran Anästhesisten schuld sind“. Von zu früh oder zu spät fertig, über zu niedrigen und zu hohen Blutdruck bis hin zum Klimawandel, dem Parkplatzproblem und Lindsay Lohan waren unseres Erachtens nach zwar die wichtigsten Punkte dabei, aber dem Tonfall des Arztes nach war die Liste immer noch unvollständig. Wir vermuten daher, dass Anästhesisten auch Schuld an der Wirtschaftskrise, einem Tomatensoßen-Fleck auf dem Kittel und dem Bad-Hair-Day sind. Kurzum: Ein großer Nachteil daran, in der Anästhesie zu arbeiten, ist es, dass du automatisch an allem Schuld hast. Dieses ehrliche (wenn natürlich auch etwas überspitzt dargestellte) Statement hat uns beeindruckt und dem ganzen Meet-the-Expert den Stempel „AUTHENTISCH“ verliehen.

Lieber Dr. Uhrlau, uns hat der Abend gefallen und wir hoffen, Ihnen auch. Die Studentinnen schienen nachhaltig beeindruckt von Ihrer Leidenschaft zu Ihrem Beruf und sie haben uns bestätigt, dass ihre ehrlichen und unverblümten Worte angekommen sind und das Referat abgerundet haben. Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen und es war erfrischend, dass es mal jemand sagt. Sie haben auf ganzer Linie überzeugt und wir freuen uns schon, auf den nächsten gemeinsamen Abend, aber nur, wenn Sie bis dahin endlich das verflixte Klimaproblem lösen.


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Authentisch durch die Allgemeinmedizin – Anstellung im Krankenhaus vs. Hausarztpraxis

ONLINE-Meet-the-Expert Allgemeinmedizin mit Herrn Dr. Pfarr, Medizinisches Versorgungszentrum Mittweida
17. November 2020 via Zoom

Anfangs war der sympathische Arzt des Medizinischen Versorgungszentrums Mittweida nicht angetan von unserer Idee, sein Meet-the-Expert online zu veranstalten. Typisch Hausarzt: Der persönliche Kontakt ist das Wichtigste bei der Diagnose. Nahe beim Patienten zu sein macht für Dr. Pfarr seinen Job aus und relativ schnell wurde uns am Telefon klar: Eigentlich möchte der freundliche Arzt am liebsten die Studierenden persönlich kennenlernen, möchte für ihre Fragen da sein und Nähe schaffen. Dennoch lässt es das Jahr 2020 einfach nicht zu. Die Corona-Pandemie hat alles fest im Griff und neben dem ONLINE-MTE steht nur noch eine Wahl: Kein MTE. Dr. Pfarr willigte daher ein, mit unserer Hilfe seinen Fachvortrag via Zoom zu veranstalten und feierte damit die Premiere unseres Online-Formates.

Wir würden gern sagen, das Zoom-Meeting lief wie geplant. Gern würden wir schreiben, dass Herr Dr. Pfarr seine Präsentation zeigen konnte. Wir würden am liebsten berichten, dass sich alle an unseren Plan hielten, die Veranstaltung eine Stunde laufen zu lassen. Doch das wäre gelogen. Wir hätten vieles erwartet, aber auf keinen Fall, das passiert, was passiert ist. Denn Dr. Pfarr hat nicht eine Sekunde seine Präsentation zeigen können und an eine Stunde Referat war absolut nicht zu denken.

Die Wahrheit ist: Unsere Studierenden haben die Premiere unserer ONLINE-Meet-the-Experts durchgerockt mit ihren Fragen! Die Flut, die Dr. Pfarr überschwemmte, war nicht nur für uns überwältigend, sondern auch für den Allgemeinmediziner! Obwohl wir alle separat vor unseren Computern saßen, spürte man das Interesse jedes einzelnen praktisch durch die digitale Verbindung. Die Fragen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten deutlich, wie sehr sich die interessierten Studierenden bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hatten und wie viel Informationsbedarf zu tatsächlich besteht.

Dr. Pfarr umriss zu Anfang kurz das MVZ Mittweida und seinen Werdegang. Mit 1.500 bis 1.800 Patienten pro Quartal ist viel Engagement nötig, um alles zu meistern. Faktisch behandelt ein Landarzt Patienten von 0 bis 100 und weiß im Grunde nie, was ihn erwartet: Von Husten, Schnupfen, Heiserkeit bis hin zu Selbstmordgedanken ist alles dabei. Das ist sowohl spannend als auch herausfordernd. Nach dem Studium war Dr. Pfarr zuerst zwei Jahre als Quereinsteiger in einer Praxis tätig und hat erst im Anschluss drei Jahre in einer Klinik gearbeitet. Während der Facharztausbildung strukturierte er sich selbst. Er wollte Ultraschall lernen und war daher zuerst anderthalb Jahre in der Inneren Medizin/Allgemeinmedizin, da dort ein guter Querschnitt aller Patienten und Fälle herrschte. Im Anschluss ging er in die Kardio und die Notaufnahme.

Neben der Praxisausstattung berichtete Dr. Pfarr auch von seiner Zusatzausbildung im Bereich Osteopathie. Tatsächlich war er selbst überrascht, wie viele Probleme ein Arzt durch diese Behandlungsmethode lösen kann. Für die Patienten seiner Praxis sind seine Kompetenzen in diesem Bereich ein erheblicher Zugewinn und an diesem Punkt meldete sich auch eine Teilnehmerin unseres ONLINE-Meet-the-Experts zu Wort. Sie hatte bei Dr. Pfarr ein Praktikum absolviert und kannte die Form der Behandlung und in diesem Zusammenhang bestätigte sie genau diesen Punkt und war ebenso fasziniert von den Ergebnissen, die die osteopathischen Behandlungen bei den Patienten erzielt haben. Auf die Frage hin, was in der Facharztausbildung absolviert werden sollte, gab er zudem die Dermatologie an. Rückblickend hätte der Allgemeinmediziner in diesem Fachbereich besser aufpassen müssen, wie er augenzwinkernd zugibt, denn in einer Arztpraxis gibt es häufig Patienten mit Ausschlägen. Was allerdings für einen Hausarzt nicht rentabel ist, sind diagnostische Spezialsierungen.

Tages- und Wochenablauf sind bei ihm recht genau geregelt. Seine Arbeitszeit von 40 Stunden teilt sich so auf, dass er Montag einen langen Tag in der Praxis verbringt, Dienstag bis Donnerstag nur bis 12 Uhr Praxiszeiten hat und dann Hausbesuche auf der Agenda stehen und freitags hat er noch einen reinen Praxistag, versucht aber gegen 14 Uhr Feierabend zu machen. Die Tage in der Praxis laufen seit der Corona-Pandemie etwas anders ab: Die Notfallsprechsprechstunde ist jetzt die „Corona-Sprechstunde“ – alle mit Verdacht auf die Erkrankung kommen morgens vor Beginn der regulären Sprechstunde. Um 8 Uhr startet die normale Sprechstunde, in der Dr. Pfarr, gefiltert durch die Schwester, Patienten empfängt und ab halb zehn werden die bestellten Patienten behandelt. Hausbesuche starten ab 12 Uhr und werden am Morgen des nächsten Tages von der Corona-Sprechstunde protokolliert.

Dieses sehr gut regulierte Schema lässt erahnen, wie viel der Arzt tatsächlich leistet und wie gut seine Praxis organisiert sein muss, damit alles seinen Gang geht. Sein Job ist mit Sicherheit nicht immer leicht, aber beim Zuhören haben wir dennoch gemerkt, mit viel Herzblut und Spaß Dr. Pfarr an die Arbeit geht. Die Studierenden haben viele Fragen gestellt, die mitunter sehr in die Tiefe gingen und auch schwierige Themen wurden besprochen. Dr. Pfarr lieferte ehrliche Antworten und vermittelte einen authentischen und soliden Eindruck, der die Zuhörer begeisterte. Nach anderthalb Stunden waren alle Fragen geklärt und alle Themen besprochen. Wir hatten sehr viel Spaß bei dem ONLINE-Meet-the-Expert und freuen uns schon jetzt auf eine Wiederholung!

Nu gugge mal da: Dr. Hauffe, der sympathische Wahlsachse

Meet-the-Expert-Dinner Unfallchirurgie & Orthopädie mit Herrn Dr. Hauffe, CA Landkreis Mittweida Krankenhauses

29. Oktober 2020 im Deutschen Hygienemuseum Dresden

Gebürtig aus Halle (Saale), hat sich der Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie des Landkreis Mittweida Krankenhauses nicht nur die Liebe zur Region, sondern auch den Dialekt zu eigen gemacht. Dr. Hauffe besucht sehr gern unsere Meet-the-Expert-Dinner, da er den persönlichen Kontakt mit den Studenten sehr schätzt. Am 29.10.2020 referierte er über den Einsatz moderner Implantate und wie sie im Vergleich zum Althergebrachten die unfallchirurgische, orthopädische Versorgung verbessern. Zudem stellte er seine Abteilung, das Krankenhaus und einige sehr interessante Fälle vor.

Der heutige Chefarzt war an vielen Kliniken tätig und ist daher breit ausgebildet. Schon frühzeitig galt sein Interesse der Chirurgie, da sie viel Handwerk, aber auch viel Lernen erfordert. Auch spielen in diesem Fachgebiet computertechnische Anwendungen eine große Rolle, was zwar mit dem Alter schwieriger wird, wie er selbst sagt, was ihn jedoch nicht davon abhält und er sich gern weiterentwickelt und einarbeitet. Um für die Patienten eine Lösung bieten zu können, ist ein großes Fachwissen erforderlich, ebenso „sehen die Ärzte sehr vieles, was kaputt ist – damit müssen Sie umgehen können!“ sagte Dr. Hauffe den Studenten.

Während seiner Ausbildung ist er schon frühzeitig in ein kleineres Kreiskrankenhaus gegangen, weil die Ausbildung in größeren Kliniken mitunter zu kurz kommt. „Das ist der Unterschied zwischen Stadt und Land. Ich komme extra nach Dresden gefahren, um euch zu vermitteln, wie toll es auf dem Land ist!“ lacht der sympathische Wahlsachse. „Sie sind nicht abgeschnitten. Die gesamte Region ist über 70.000 Einwohner groß und die Klinik hat durchaus ihre Berechtigung. Zudem ist die Landschaft sehr schön. Das Argument, dass da nichts ist, kann ich widerlegen!“ erzählt Dr. Hauffe.

Das Landkreis Mittweida Krankenhaus ist ein Grund- und Regelversorger mit 240 Betten und bietet alles, was für die Akutversorgung benötigt wird. Aufgrund des ökonomisches Drucks, sind auch die MVZs und Pflegeheime im Umkreis enorm wichtig, für die Klinik, sagt Dr. Hauffe. „Doch“, räumt er ein, „das klappt nicht wirklich, davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben!“ witzelt der sächselnde Hallenser. Im Landkreis Mittweida Krankenhaus wird eine ganzheitliche Betrachtung großgeschrieben. Sprechstunden, Notfallmedizin, Notärzte, Visiten, Einsätze, Besprechungen und Mentoring stehen stets auf der Tagesordnung und dies erfordert, ein stark aufgestelltes Haus mit viel Expertise. „Man muss auch Akutmediziner sein! Ihr seid nicht nur die Schraubendreher oder die Knochenbrecher. Für die Patienten ist es wichtig, dass man Ihnen in die Augen schaut und alle Sorgen mit seinen Kollegen besprechen kann.“ appelliert der Chefarzt. Insgesamt gibt es 44 Betten und im Jahr werden etwa 2.000 Fälle behandelt mit 1.400 Operationen. Das heißt circa fünf bis sieben OPs am Tag in zwei Sälen. Es ist also auch in diesem mittelgroßen Haus viel zu tun. Dennoch gibt es adäquate Arbeitszeiten und damit ein familienfreundliches Arbeitsverhältnis. Zudem werden die jungen Ärzte und Ärztinnen schon frühzeitig mit eingebunden.

Dr. Hauffe brachte uns auch einige interessante Fälle mit, die den Studenten viel Einblick in seine Arbeit gewährten. In diesem Teil der Präsentation wurde die Menschlichkeit des Chefarztes und seine Liebe zu seinem Beruf nochmals sehr deutlich. Er präsentierte unterschiedliche Fälle, darunter auch welche, bei denen Fehler passiert sind. Dabei legte er Wert darauf, deutlich zu machen, wie diese Fehler entstehen konnten, wie sie korrigiert wurden und dass schlussendlich immer die perfekte Lösung für den Patienten gefunden wurde. Entscheidend war es für ihn aber, den Studenten klar zu machen, dass Fehler passieren. Auch er hat schon Fehler gemacht und er wünscht sich, dass seine Mitarbeiter ihm stets die Wahrheit sagen können und ihn darauf aufmerksam machen dürfen und sollen. Anschließend zeigte der Wahlsachse noch viele Implantate, die er für uns mitgebracht hatte. Seine Faszination sprang dabei sofort auf seine Hörerschaft über und die modernen Implantate wurden zum Betrachten herumgereicht. Wir merkten Dr. Hauffe in diesem Teil deutlich an, was für ein guter Praktiker er ist und wie faszinierend er diesen Bereich der Unfallchirurgie und Orthopädie findet. Zum Schluss gab er den Studenten noch eine wichtige Empfehlung: Beim Operieren sollten sie immer nachdenken!

Danke, Dr. Hauffe, dass Sie wieder einmal bei einem unserer Meet-the-Expert-Dinner referiert haben! Wir haben uns sehr gefreut und hoffen, Sie bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen!

Doctors Picture

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Der Ärztliche Direktor und die ‚Anästhetische Magie‘

Meet-the-Expert Dinner Anästhesie mit Herrn Dr. Urlau, Ärztlicher Direktor Kreiskrankenhaus Freiberg
26. Oktober 2020 im Deutschen Hygienemuseum Dresden

Würden wir dem gestrigen Meet-the-Expert-Dinner mit Herrn Dr. Uhrlau ein Motto geben wollen, wäre es wohl „No Mask, no Fun“ geworden. Durch die Corona-Pandemie standen die Zeichen schlecht, die Lage hat sich in der letzten Woche merklich verschärft und wir bangten etwas um den Abend. Nach langer Planung, Organisation und Besprechung haben wir jedoch sichergestellt, dass alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen spannenden und sicheren Austausch genießen konnten.

Der Ärztliche Direktor des Kreiskrankenhauses Freiberg wirkte aufgeschlossen und entspannt, als wir ihn vor dem Hygienemuseum begrüßten. Während die Vorbereitungen liefen, vielen ein paar freundliche Worte, ein unaufdringlicher Smalltalk, der ungewöhnlich leicht war zwischen Menschen, die sich kaum kennen. An diesem Abend begrüßten wir acht Studentinnen – Anästhesie scheint den weiblichen Studierenden in Dresden besonders zu gefallen – und trotz des leichten Nieselreges, der sich eingestellt hatte, und der kühlen Abendluft waren alle unsere Teilnehmerinnen fröhlich und gespannt. Dr. Uhrlau hat mit seiner offenen und freundlichen Art gleich am Anfang seines Vortrages die Zuhörerinnen in seinen Bann gezogen.

Nach seinem Studium in Erlangen absolvierte er die Weiterbildung in der Fachrichtung Anästhesie, wurde dann Facharzt und später Oberarzt. An und für sich zufrieden mit seiner Position gab der Bekanntenkreis von Dr. Uhrlau jedoch den Anstoß für ein Upgrade seiner Karriere. So bewarb er sich 2003 in Freiberg – wie er uns mit einem Augenzwinkern wissen ließ – ohne je dort gewesen zu sein. Jeder Zuhörerin im Raum wurde schnell klar: Mit dem Wechsel und dem damit verbundenen Umzug war der neue Chefarzt sehr zufrieden und das ist er bis heute.

Sein Interesse an der Anästhesie entstand über seine Arbeit in der Notfallmedizin und über den Ausschluss anderer Disziplinen. Die Vorlesung zum Thema war es definitiv nicht, wie er uns lachend wissen ließ. „Die war grottenschlecht und ich habe sie auch nur einmal besucht“ sagte der heutige Ärztliche Direktor unumwunden. Die Liebe zur Anästhesie entdeckte er im PJ. Das strukturierte, kleine Fachgebiet hatte es ihm angetan und er war fasziniert von der „Magie der sofortigen Reaktion“, wie er es selbst ausdrückte. Das Funkeln in seinen Augen machte deutlich, dass ihn diese Faszination bis heute begleitet und es wirkte fast so, als würde er sich beim Gedanken an diese ‚Anästhetische Magie‘ von neuem in das Fachgebiet verlieben.

Ganz klar bietet diese Fachrichtung viele Vorteile. Durch flexible und moderne Arbeitszeitmodelle sowie gut geplante und verlässliche Arbeitszeiten gibt es in seiner Abteilung in Freiberg nicht nur auf dem Papier eine ausgewogene Work-Life-Balance. Ebenso verbringt ein Anästhesist recht wenig Zeit mit Papierkram und durch die personelle Struktur im Kreiskrankenhaus Freiberg ergeben sich drei bis maximal vier Bereitschaftsdienste im Monat. Die Besonderheit hier ist, dass die diensthabenden Ärzte erst zu Dienstbeginn um 15.30 Uhr auf Arbeit kommen. Dadurch verlieren sie zwar Arbeitsstunden, doch sie sind ausgeruht und fit, wodurch der Arbeitstag angenehmer ist. Neben diesen organisatorischen Vorteilen stellte Dr. Uhrlau auch die fachlichen Chancen heraus: Die Anästhesie bietet jungen Ärztinnen und Ärzten ein steile Lernkurve und lässt sie schnell Verantwortung übernehmen. Natürlich ist gerade in der Anfangszeit der Input enorm, erfordert ein hohes Maß an Lernbereitschaft und zehrt an den kognitiven Kräften, doch die Weiterentwicklung im Verhältnis zur Dauer ist riesig. Ein weiterer Vorteil ist die Breite der Fachrichtung. Die Anästhesie ist ein „Querschnittsfach“ und berührt viele andere Bereiche. Dadurch bietet sie auch Sicherheit, denn sollte der ein oder andere im Laufe seiner Karriere einen anderen Weg gehen wollen, ist das erlernte Know-how dennoch anwendbar. „Die Anästhesie ist ein guter Mix aus Technik, Skills und Hirn.“ fasste Dr. Uhrlau die Vorteile zusammen.

Doch der Ärztliche Direktor hat sich auch unverblümt den Nachteilen der Anästhesie gewidmet. In dem Seminarraum waren plötzlich nickende Köpfe zu sehen, als er davon sprach, dass Anästhesisten kaum Lob oder Anerkennung für ihre Arbeit bekommen – weder von Kollegen noch von Patienten. „Wenn Sie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben, dann lassen Sie die Finger von der Anästhesie!“ kam der prompte Appell. Die Augen der Teilnehmer verrieten es: Das wissende Lächeln unter den Masken. Neben der fehlenden Anerkennung arbeiten Anästhesisten wenig „selbstbestimmt“, damit war gemeint, dass sie kein Veto-Recht besitzen und im Zweifelsfall auch einen Operateur stumm ertragen müssen, wenn sie selbst nicht d‘accord mit seiner Arbeitsweise gehen. Weiters Nicken füllte den Raum und damit Schritt Dr. Uhrlau zum letzten Nachteil und verwob geschickt eine private Geschichte. Seine Tochter – selbst angehende Anästhesistin – hatte ihm ein Bild mit einer Liste geschickt. Das Thema der Liste war: „Woran Anästhesisten schuld sind“. Von zu früh oder zu spät fertig, über zu niedrigen und zu hohen Blutdruck bis hin zum Klimawandel, dem Parkplatzproblem und Lindsay Lohan waren unseres Erachtens nach zwar die wichtigsten Punkte dabei, aber dem Tonfall des Arztes nach war die Liste immer noch unvollständig. Wir vermuten daher, dass Anästhesisten auch Schuld an der Wirtschaftskrise, einem Tomatensoßen-Fleck auf dem Kittel und dem Bad-Hair-Day sind. Kurzum: Ein großer Nachteil daran, in der Anästhesie zu arbeiten, ist es, dass du automatisch an allem Schuld hast. Dieses ehrliche (wenn natürlich auch etwas überspitzt dargestellte) Statement hat uns beeindruckt und dem ganzen Meet-the-Expert den Stempel „AUTHENTISCH“ verliehen.

Lieber Dr. Uhrlau, uns hat der Abend gefallen und wir hoffen, Ihnen auch. Die Studentinnen schienen nachhaltig beeindruckt von Ihrer Leidenschaft zu Ihrem Beruf und sie haben uns bestätigt, dass ihre ehrlichen und unverblümten Worte angekommen sind und das Referat abgerundet haben. Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen und es war erfrischend, dass es mal jemand sagt. Sie haben auf ganzer Linie überzeugt und wir freuen uns schon, auf den nächsten gemeinsamen Abend, aber nur, wenn Sie bis dahin endlich das verflixte Klimaproblem lösen.


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