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Authentisch durch die Allgemeinmedizin – Anstellung im Krankenhaus vs. Hausarztpraxis

ONLINE-Meet-the-Expert Allgemeinmedizin mit Herrn Dr. Pfarr, Medizinisches Versorgungszentrum Mittweida
17. November 2020 via Zoom

Anfangs war der sympathische Arzt des Medizinischen Versorgungszentrums Mittweida nicht angetan von unserer Idee, sein Meet-the-Expert online zu veranstalten. Typisch Hausarzt: Der persönliche Kontakt ist das Wichtigste bei der Diagnose. Nahe beim Patienten zu sein macht für Dr. Pfarr seinen Job aus und relativ schnell wurde uns am Telefon klar: Eigentlich möchte der freundliche Arzt am liebsten die Studierenden persönlich kennenlernen, möchte für ihre Fragen da sein und Nähe schaffen. Dennoch lässt es das Jahr 2020 einfach nicht zu. Die Corona-Pandemie hat alles fest im Griff und neben dem ONLINE-MTE steht nur noch eine Wahl: Kein MTE. Dr. Pfarr willigte daher ein, mit unserer Hilfe seinen Fachvortrag via Zoom zu veranstalten und feierte damit die Premiere unseres Online-Formates.

Wir würden gern sagen, das Zoom-Meeting lief wie geplant. Gern würden wir schreiben, dass Herr Dr. Pfarr seine Präsentation zeigen konnte. Wir würden am liebsten berichten, dass sich alle an unseren Plan hielten, die Veranstaltung eine Stunde laufen zu lassen. Doch das wäre gelogen. Wir hätten vieles erwartet, aber auf keinen Fall, das passiert, was passiert ist. Denn Dr. Pfarr hat nicht eine Sekunde seine Präsentation zeigen können und an eine Stunde Referat war absolut nicht zu denken.

Die Wahrheit ist: Unsere Studierenden haben die Premiere unserer ONLINE-Meet-the-Experts durchgerockt mit ihren Fragen! Die Flut, die Dr. Pfarr überschwemmte, war nicht nur für uns überwältigend, sondern auch für den Allgemeinmediziner! Obwohl wir alle separat vor unseren Computern saßen, spürte man das Interesse jedes einzelnen praktisch durch die digitale Verbindung. Die Fragen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten deutlich, wie sehr sich die interessierten Studierenden bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hatten und wie viel Informationsbedarf zu tatsächlich besteht.

Dr. Pfarr umriss zu Anfang kurz das MVZ Mittweida und seinen Werdegang. Mit 1.500 bis 1.800 Patienten pro Quartal ist viel Engagement nötig, um alles zu meistern. Faktisch behandelt ein Landarzt Patienten von 0 bis 100 und weiß im Grunde nie, was ihn erwartet: Von Husten, Schnupfen, Heiserkeit bis hin zu Selbstmordgedanken ist alles dabei. Das ist sowohl spannend als auch herausfordernd. Nach dem Studium war Dr. Pfarr zuerst zwei Jahre als Quereinsteiger in einer Praxis tätig und hat erst im Anschluss drei Jahre in einer Klinik gearbeitet. Während der Facharztausbildung strukturierte er sich selbst. Er wollte Ultraschall lernen und war daher zuerst anderthalb Jahre in der Inneren Medizin/Allgemeinmedizin, da dort ein guter Querschnitt aller Patienten und Fälle herrschte. Im Anschluss ging er in die Kardio und die Notaufnahme.

Neben der Praxisausstattung berichtete Dr. Pfarr auch von seiner Zusatzausbildung im Bereich Osteopathie. Tatsächlich war er selbst überrascht, wie viele Probleme ein Arzt durch diese Behandlungsmethode lösen kann. Für die Patienten seiner Praxis sind seine Kompetenzen in diesem Bereich ein erheblicher Zugewinn und an diesem Punkt meldete sich auch eine Teilnehmerin unseres ONLINE-Meet-the-Experts zu Wort. Sie hatte bei Dr. Pfarr ein Praktikum absolviert und kannte die Form der Behandlung und in diesem Zusammenhang bestätigte sie genau diesen Punkt und war ebenso fasziniert von den Ergebnissen, die die osteopathischen Behandlungen bei den Patienten erzielt haben. Auf die Frage hin, was in der Facharztausbildung absolviert werden sollte, gab er zudem die Dermatologie an. Rückblickend hätte der Allgemeinmediziner in diesem Fachbereich besser aufpassen müssen, wie er augenzwinkernd zugibt, denn in einer Arztpraxis gibt es häufig Patienten mit Ausschlägen. Was allerdings für einen Hausarzt nicht rentabel ist, sind diagnostische Spezialsierungen.

Tages- und Wochenablauf sind bei ihm recht genau geregelt. Seine Arbeitszeit von 40 Stunden teilt sich so auf, dass er Montag einen langen Tag in der Praxis verbringt, Dienstag bis Donnerstag nur bis 12 Uhr Praxiszeiten hat und dann Hausbesuche auf der Agenda stehen und freitags hat er noch einen reinen Praxistag, versucht aber gegen 14 Uhr Feierabend zu machen. Die Tage in der Praxis laufen seit der Corona-Pandemie etwas anders ab: Die Notfallsprechsprechstunde ist jetzt die „Corona-Sprechstunde“ – alle mit Verdacht auf die Erkrankung kommen morgens vor Beginn der regulären Sprechstunde. Um 8 Uhr startet die normale Sprechstunde, in der Dr. Pfarr, gefiltert durch die Schwester, Patienten empfängt und ab halb zehn werden die bestellten Patienten behandelt. Hausbesuche starten ab 12 Uhr und werden am Morgen des nächsten Tages von der Corona-Sprechstunde protokolliert.

Dieses sehr gut regulierte Schema lässt erahnen, wie viel der Arzt tatsächlich leistet und wie gut seine Praxis organisiert sein muss, damit alles seinen Gang geht. Sein Job ist mit Sicherheit nicht immer leicht, aber beim Zuhören haben wir dennoch gemerkt, mit viel Herzblut und Spaß Dr. Pfarr an die Arbeit geht. Die Studierenden haben viele Fragen gestellt, die mitunter sehr in die Tiefe gingen und auch schwierige Themen wurden besprochen. Dr. Pfarr lieferte ehrliche Antworten und vermittelte einen authentischen und soliden Eindruck, der die Zuhörer begeisterte. Nach anderthalb Stunden waren alle Fragen geklärt und alle Themen besprochen. Wir hatten sehr viel Spaß bei dem ONLINE-Meet-the-Expert und freuen uns schon jetzt auf eine Wiederholung!